Freitag, 21. Oktober 2011

Wenn ich wieder in Deutschland bin, dann ...

.. werde ich definitiv sterben, weil ich nur noch Einbahnstraßen gewohnt bin und nur noch in eine Richtung gucke wenn ich eine Straße überquere. Bin nämlich heute über eine Straße gegangen, die in beide Richtungen führt und wurde promt angehupt und auf mein offensichtlich leichtsinniger Verhalten aufmerksam gemacht.Wollen wir mal hoffen das ich nciht unter die Räder komme.

Hallo liebe Leser,
lassen wir mal den Spaß bei Seite und widmen uns dem Ernst des Lebens - meiner Vergangenen Woche.
Das letzte Wochenende lief wie geplant. Samstag den ganzen Tag auf der faulen Haut gelegen und so die letzten hartnäckigen Kopfschmerzen vertrieben. Alles wieder beim Alten in meinem Kopf. Hab sogar den Lukas - als wir am Strand waren - haushoch im Canasta abgezogen ;-).

Sonntag bin ich dann wie verabredet um 11.00 Uhr am Haus von Margarita gewesen, ehe ich dann mit 3 Tías nach Alto Hospicio gefahren bin, um dort Essen zu kochen für die Kinder aus dem Armenviertel von Alto Hospicio. Jeden Samstag und Sonntag engagiert sich die Fundación dort oben. Letzten Sonntag gab es dann Reis, Thunfischkroketten und Salat. Wer brav aufgegessen hatte, bekam auch noch Nachtisch. Es waren ca. 15 Kinder dort und auch eine Mutter, die mit 3 von 9 Kindern da war, dann aber genügend von den Resten mitbekam um die fehlenden zu versorgen. Bis 15.30Uhr waren wir dann dort haben gekocht, gegessen und ich hab mit den Kids gespielt ehe es dann an's Aufräumen ging und wir wieder nach Hause fuhren. Dann ging es wieder an den Strand und Abends wie gewohnt in die wunderschöne Messe in San Norberto :).

Montag dann der ganz normale Arbeitsalltag. Wie so ein Tag bei mir aussieht? Ich werde es euch mal näher beschreiben.
07.30Uhr: Der Wecker klingelt. Heißt ja - wie jeder weiß - nicht unbedingt das man aufsteht. Wenns dann aber irgendwann doch sein muss, gehts unter die Dusche es wird schnell gefrühstückt und an der Kreuzung "Arturo Fernandez / Bulnes" das erstbeste Colectivo angehalten. Dann ein schnelles "La Tirana con Progreso?" und meist ein Nicken, was so viel heißt wie:"Keine Zeit verlieren.Steig ein."
08.30Uhr: Ich sitze im Colectivo. Eigentlich sollte ich jetzt im Kindergarten sein. Man nimmt es hier allerdings nicht so genau, sodass es kein Problem ist wenn ich erst um 08.40Uhr aus dem Colectivo steige. Meist froh darünber, dass ich noch lebe. Wie die hier teilweise fahren tun, das tut der Hammer sein. Wer seine Schnauze vorgedrängelt hat - egal wie klein die Lücke war - der kann auch komplett überholen. Meist spreche ich 3 "Vater unser" um so die Zeit rumzukriegen.
Dann bin ich also im Kindergarten. Zuerst gehe ich natürlich in meine Gruppe "Trancision" und begrüße die Tías und die Kinder die schon da sind. Dann sag ich Tá Claudia das ich "mal eben" die Tías & Kinder ebgrüßen bin. Schnell in die anderen Gruppen um allen Hallo zu sagen. In der "Sala Cuna Menor" - also bei den ganz kleinen - bleib ich in letzter Zeit allerdings immer öfters hängen. Es gibt da ein zwei Racker die mich nicht gehen lassen wollen und sobald ich auch nur Ansatzweise in Richtung Tür gehe anfangen zu Brüllen wie die Weltmeister. Die A1 zu Ihrer besten Zeit ist nichts dagegen. Irgendwann klappt es dann doch und ich bin pünktlich zum Frühstück um 09.30Uhr in meiner Gruppe. Es wird gesungen & gebetet ehe es dann Milch und Brötchen für alle gibt.Danach wird sich anständig begrüßt (wieder mit Liedern - wie auch sonst), dann wir das Datum korrigiert und geguckt wer denn heute da ist, ehe es dann zum Spielen auf den Hof geht.
Auf dem Hof..
"Ich will jetzt spielääääään"

".. bendice la leche y nosotros tambien.
Ameeeen."




















Wenn dann draußen gespielt wird, dann kommt immer ein Kinder an das nicht will das ich es hochschmeiße oder mich anders verränke oder Fussball spiele, da er die Hand gebrochen hatte. Also gehts in den Saal und wir suchen ein Spiel aus. Meist will er Worte den zugehörigen Bilder zuordnen. Mittlerweile kann er alle lesen und sogar das Alphabet auswendig. Er ist total wissbegierig, sodass ich mit ihm immer wieder lesen und schreiben übe. Er will das. Wenn er dann aber doch spielen will, geh ich in die Sala Cuna. Da platze ich dann immer mitten in das "Bespaßungsprogramm" wie ich es nenne. Montag sah das wie folgt aus. Es wurde gemalt. Nicht mit den Händen oder so .. nö .. mit dem ganzen Körper. Kinder ausgezogen, in alte Klamotten gesteckt und auf die riesengroßen Plakate mit Farbe gesetzt. Was ein Saustall. Nachdem das 30minütige einsauen beendet war musste dann jedes Kind gebadet werden.

"Los gehts."

Auf den Spuren kleiner Kinder.
Rot, grün, braun .. aller war vertreten.



Wenn das dann vorbei ist, werden alle Hände vom Schmutz befreit, sodass es ans Essen gehen kann. 5Stühle in einer Reihe, inklusive Kinder. Davor die Tías mit der mehr oder weniger beliebten Nahrung und dem von allen geliebten Nachtisch. Wer sein Essen nicht will, wird ausgetrickst in dem das Essen mit Nachtisch verfeinert wird. Der Ausruf "¡Mira!Postre." (Guck mal.Nachtisch.) ist der wohl wichtigste. Nach dem 5Gänge-Menü in der Sala Cuna wird gewickelt. Da darf ich irgendwie nicht helfen. Blöd! Also wieder rüber in meine Gruppe. Die sind dann schon wieder auf dem Hof und spielen. Dann gibts auch dort Essen. Es wird gebetet und dann ran an die Bulletten. "Tía Lisa. Tía Lisa" wird an jedem Tisch gebrüllt und so geh ich von Tisch zu Tisch und lass ein paar Flugzeuge kreisen, sodass die Kids ihr Essen auch wirklich essen. Wer aufgegessen hat, der bekommt dann seinen Nachtisch und darf raus. Spielen - was sonst. Wer übrigens das "Ben 10"-Puzzle hat, ist der King. Ich glaube Ben 10 ist hier so etwas wie eine Religion für die kurzen. Jeder besitzt Kleidung, Ausrüstungsgegenstände und alles mögliche von diesem Wunderknaben .Gegen 13.00Uhr fange ich dann an mich zu verabschieden. Meine ganz kleinen Freunde sind schon im Land der Träume, während die Großen grade erst so richtig aufblühen. Dann gehts noch schnell ins Büro zu Luisa sich richtig verabschieden und dann bin ich auch schon weg.
13.30Uhr: Mit dem Colectivo zur Babykrippe. Wenn ich dort ankomme sag ich auch eben allen Tías "Hallo" und gehe essen. Es ist total ruhig wenn ich ankomme, weil einfach alle Schlafen. Also schnell essen reingeschaufelt und wieder in den Saal. "Sala Cuna Mayor" also die 'großen' Babys. Die wecke ich dann meistens mit ner Flasche Milch und nem Keks. Nachdem das vertilgt ist warten dann alle - mehr oder weniger geduldig - darauf, dass Ihnen die Schuhe angezogen werden, ehe es dann an's Aufstehen geht. Nach und nach füllt sich der Raum mit lebendigen Kindern und die Betten weichen dem Spielzeug. Tanzen, spielen einfach alles wird gemacht. Nach und nach verschwinden Kinder ins Bad weil ein letztes Mal Windeln gewechselt werden. Hier darf ich helfen. Der erste "Härtefall" in der Hose wird an Hand von "schnick schnack schnuck" spaßeshalber ausgelost. Mit dem Satz:"Vamo(s) al
baño" gehts dann los zum Windel wechseln und umziehen. Danach dann wieder rein ins Geschehen. Bis 16.30 Uhr geht das Ganze. Kuscheln, spielen, küsschen bekommen es ist alles dabei. Total schön. Ich liebe die Arbeit. Auch in der Sala Cuna kennt jetzt ein Kind schon meinen Namen. Wenn es kaum spricht, meinen Namen kennt es :-).





Schnappschüsse mit der Handyinnenkamera
Alle sind fasziniert. Sie sehen sich selbst.


Bis zum bitteren Ende wird gespielt. Wenn dann alle weg sind, dann wird noch mit den Tías rumgealbert, sich verabschiedet (immer mit Küsschen auf die Wange) und dann fahre ich nach Hause. "O'Higgins con Arturo Fernandes por favor."


So siehts jetzt aus.
Zementierter Hof und ein großer Sandkasten



Zu Hause angekommen wird sich dann kur regenieriert ehe es um 18.00Uhr zusammen mit Lukas ins nächste Colectivo geht und wir zusammen zum Fussball ins Refugio fahren. Dann gehts zur nahe gelegenen "Cancha" (das ist ein Sportplatz) zum Fussball. Mit dem Coach wird sich vernünftig aufgewärmt, ein paar technische Sachen geübt und dann wird gebolzt. Um 19.30Uhr wird sich um einen Sitzplatz im Auto des Coach "geprügelt" - denn wer keinen bekommt, der läuft zurück zum Refugio wo es dann noch eine Kleinigkeit zu Essen und was zu trinken gibt. Um 20.00Uhr sind wir dann zu Haus, gehen duschen, essen um 21.00Uhr gemeinsam und spielen noch eine Runde Canasta. Meist ist es dann schon recht spät wenn wir ins Bett fallen.
SO SIEHTS AUS !!

Dienstag wars dann aber nicht so. Es war die jährlich Kollekte der Fundación. Heißt also, die ganze Fundación zog bewaffnet mit Stickern, Schürzen, einem Ausweis der Fundación und einem Sack für die Spenden los an die verschiedensten Orte der Stadt. Ich war mit Luisa und Nicole an der Mall stationiert. Ich stand mit meinem Säckchen den ganzen Tag am Supermarkt. 6Stunden in der prallen Sonne. Mein Sack wurde allerdings richtig voll weil ich jede Person angeghauen habe, ob Sie nicht spenden will. Hinter mit war der Stand für die Taxen. Einer wollte mich heiraten, einer hat nur gespendet weil ich so tolle Augen habe, einer wollte mich sofort zum Essen einladen und zwei Telefonnummern hab ich bekommen. Haha .. Nachdem das überstanden war, bin ich dann zu Luisa gegangen und wir haben darauf gewartet das wir abgeholt werden. Endlich. Hab dann den Rest des Tages auch geschlafen. Abends einen Joghurt inhaliert und wieder ins Bett. 
Mittwoch das Selbe wie Montag. Allerdings haben Lukas und ich kein Fussball gespielt, sondern den Jungs beim Kicken zugeguckt da der Coach ein kleines Turnier organisiert hat. Irgendwann war mir dann aber so kalt, dass ich angehauen bin. Zu Fuß! Die Schweine haben die Preise fürs Colectivo fahren erhöht .. Tz!
Donnerstag war ich dann wie immer im Kindergarten und in der Sala Cuna. Nach der eigentlich Schicht bis 16.30Uhr war ich dann noch in der Oficina geld zählen. Schließlich zählen sich 200Säcke voll mit Münzen und Scheinen nicht alleine. Danach bin ich noch mit Lukas und Claudia <3 ( :D ) Completo essen gewesen. Sowas wie n HotDog nur halt chilenisch. War ganz schön. Das war es wirklich. Claudia ist wirklich n Engel.
Completo
Und heute war auch alles wie immer. Im Kindergarten war es ganz cool. Es waren fast alle Kinder da. Das ist immer das Schönste. Ist zwar anstrengend, aber immerhin weiß ich dann, dass es allen Kindern "gut" geht. Außerdem vermisst man die ja schon ;-). Und auch in der Sala Cuna haben wir heute das Haus gerockt. Zu aktueller Musik wurde im Takt mit dem Hintern gewackelt und getanzt und gesprungen. Genial. Die Zeit ging viel zu schnell um.
Naja jetzt ist Wochenende. Heut Abend wird wohl gefeiert. Ob zu zweit bei einem Film oder in der Disco weiß ich noch nicht. Morgen geht es auf jeden Fall für zwei Tage nach Pica. Dort ist Entspannung das Hauptziel. Sonntag ist zwar morgens um 10Uhr Messe [die Pfarrei dort wird an einen neuen Pater (Pater Stephan / der der so viel reden tut) übergeben] aber bis dahin haben wir ja noch den ganzen Samstag zum Relaxen in der Quelle in Pica.

Also bis dahin liebe Leute
Liebe Grüße
Lisa

Kommentare:

  1. Naja, Dein Aufgabengebiet und die Arbeit hört sich ja nicht sehr wenig an. Schön ist aber, dass Du Dir dabei immernoch die Zeit nimmst uns auf dem Laufenden zu halten. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Deine, ich nenne sie mal Zeitzählmaschiene, zeigt es uns immerwieder an.
    Weiterhin viel SPASS bei der Arbeit und bei den schönen Unternehmungen.

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  2. 77 Tage bist Du nun schon in der weiten Welt, aber Castrop hat sich noch nicht verändert.

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