Samstag, 24. Dezember 2011

Geschichten übers Fliegen mein neues Hobby: das Geschenke verpacken

Hola y buenos dias.

Es ist ist Heilig Abend - aber hier ist es eigentlich noch morgens. 10.02 Uhr um genau zu sein und vor schätzungsweise 10 Sekunden als ich geguckt habe waren es 34Sekunden. Die Feiertage stehen nicht mehr nur vor der Tür sondern schon mit einem Bein im Haus. Welches Fest wird momentan eigentlich gefeiert? Weihnachten? Ja, ich glaube schon. Auch in den letzten zwei Wochen hat sich nicht viel verändert, in Bezug auf die ausbleibende Weihnachtsstimmung hier in Iquique und speziell bei mir. Wieso nicht? Dazu gleich mehr, wenn ich die vergangenen zwei Wochen 'kurz' zusammenfasse.

Ja wie siehts hier momentan aus. Es ist verwirrend. Als ich vor zwei Wochen das letzte Mal schrieb, waren es immerhin noch zwei Wochen bis Weihnachten, weshalb ich mir immer gesagt habe"Lisa, es sind noch 14 Tage und die Umstände passen einfach nicht zu Weihnachten - aber das kommt noch." Pustekuchen. Einbildung ist auch 'ne Bildung hat mich mein Opa gelehrt. Vom Weihnachtsalltag wie er in Deutschland geprägt ist, ist hier - 11000Kilometer weit weg - nichts zu spüren. Anstatt mit einem Tee, frischen Plätzchen und vielleicht "Weihnachtsmann & Co. KG" vor dem duftenden Tannenbaum zu sitzen, vertreibe ich mir die Zeit eher damit, an den Strand zu gehen. Schneemänner kann man hier - wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt - auch nicht bauen und aus Sand will sich der klassische Schneemann einfach nicht formen lassen. Auch der 'bolivianische Winter' bringt nicht die erhofften Minusgrade und den Schnee mit. Die Temperaturen machen einem also schonmal einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Auch die Dekoration die eher kitschig, bunt und aufdringlich wirkt, die Weihnachtsmänner die es in Scharen gibt, die bunt-leuchtenden riesengroßen kitschigen Krippen und die Haushohen Plastiktannenbäume sind eher Stimmungskiller wenn man Weihnachten so gewohnt ist, wie wir es halt in Deutschland feiern.
Oh Tannenbaum ..

Wohnzimmer ;-)



Eine typischen Tradition die es auch nur hier gibt: Jetzt zur Vorweihnachtszeit, fuhren bunt dekorierte Autos durch die Straßen und warfen Süßigkeiten auf die Straße was eher an den Kölner Karneval erinnerte und nicht an das Fest der Geburt von Jesus. Zwar wurden ganzen Orchester an Bord eines solchen Autos gehievt, die auch lautstark Weihnachtslieder spielten, oder wenn nicht zumindest den CD-Player bedienten damit es fröhlich schallte, aber zu sehen waren immer nur Kinderserienhelden wie Ben 10, Buzz Lightyear, Woody und Co. Erstmalig war es ganz klar ein Highlight aber dann? Nervtötend wie eh und je.
Ihr müsst mittlerweile denken, Weihnachten hier in Iquique ist wirklich Mist. Zumindest für mich. Aber so ist es nicht. Der ganze Hype der um das Weihnachtsfest gemacht wird ist übertriebenst unnötig und auch der Grund für die fehlende Weihnachtsstimmung aber nichts desto trotz freue ich mich irgendwie doch.













Parallel zu dem ganzen läuft hier aber auch noch mein Leben ab. In der Vorweihnachtszeit wurde sowohl im Kindergarten und in der Babykrippe arg viel gebastelt. Die vorletzte Woche bestand wirklich aus: "basteln im Kindergarten - Mittagspause - basteln in der Babykrippe". Goldig wie sie alle ihre Weihnachtsmänner und Weihnachtsbäume an- und ausgemalt haben und sich gegenseitig erzählt haben, was Sie sich wünschen. Von einem eigenen Pferd, über eine Playstation bis hin zu der Tatsache das die Familie komplett sein soll, war alles dabei und so lauschte ich in diesen Tagen ganz gespannt den sich immer wieder ändernden Geschichten der Kinder. Und obwohl die Gestalt der Medien - ich glaube es ist dieser Weihnachtsmann - hier überall zu sehen ist, glaubt jedes der Kinder die mir ihre Geschichte erzählt haben an das Christkind. Es war fabelhaft wirklich nur zuzuhören, wie sich die Stimmen der Kinder freudig und angeregt über das große bevorstehende Fest unterhielten, wie sich die Stimme überschlug wenn es um die Frage der Geschenke ging oder darum was Mama wohl kochen würde. Das scharfe Kontrastprogramm zu dem schönen Vormittag/Nachmittag, kam dann direkt nachdem ich aus der Babykrippe vollkommen erschöpft Heim kam. "Lisa, kannst du bitte in die Zofri fahren, wir brauchen dich dort zum Geschenke verpacken." Die Zofri, ist die Zollfreie Zone und DER Anlaufpunkt schlecht hin und jetzt in der Weihnachtszeit sowieso. Die Fundación hat dort einen Stand, der gegen kleines Geld Geschenke einpackt und somit ein wenig Gewinn macht. Die ganze Sache läuft bis abends 22 Uhr. Do war ich also 3 mal in der vorletzten Woche in der Zofri um Geschenke einzupacken. 3 Tage hintereinander ist dann schon recht nervtötend, sodass ich ziemlich froh war, das ich die restlichen 2 Nachmittage mit Gabi am Strand verbingen durfte.


Highlight der letzten Woche im Kindergarten war dann die offizielle Verabschiedung des Saales "Transicion" - meiner Gruppe. Die Gruppe, in der ich angefangen habe, die Gruppe, in der ich die ersten Kontakte geknüpft habe. Jetzt aber sind sie so weit, dass es nach den großen Ferien in die Schule geht. Mit Wehmut aber auch viel Freude, dass Sie jetzt einen weiteren wichtigen Schritt machen werden musste ich Sie ziehen lassen. Die ein oder andere Träne rollte dann aber doch, als bei melancholischer Musik alle Kinder einzeln in Ihren blauen Tuniken nach vorne gingen, um ihr 'Diplom' abzuholen. Da half kein Augen aufreißen, kein Pusten nichts. Nur doof, das es garnicht schön aussieht, wenn man danach auf den Fotos leicht verheult ausschaut :D. Es gab dann nach dem offiziellen Gewusel noch ein gemütliches Beisammensitzen bei Kuchen, Chips, Brot mit Ei/Thunfisch und ganz viel ekeligen süßen Limonadenähnlichen Gesöff. Geschmack haben die hier nicht gerade. 





















Danach brauchte ich wirklich Wochenende und es kam. Ich vergaß zu erwähnen, das wir in eben dieser Woche ausgemacht hatten am Samstag Paragliden zu gehen. Pünktlich um 10.00 Uhr kam dann auch der Anruf es würde sich alles verspäten. Abgehoben sind wir dann 1 1/2 Stunden später. Rauf nach Alto Hospicio, startfertig gemacht und abgehoben. Beim ersten Flug leider mit wenig Erfolg, wegen fehlendem Wind, sodass wir nach 15 Minuten auf dem 'Cerro Dragon' der großen Sanddüne am Ende der Stadt landen mussten. Schirm eingepackt und etwas resigniert nach dem doch recht kurzen Flug stiefelten wir zurück zur Basis - dem 'Flightpark'. Es war schon ein geiles Gefühl dort oben in der Luft. Frei vol allem, ohne Boden unter den Füßen sich einfach mal baumeln zu lassen - nur leider recht kurz. Dann kam aber das Angebot, wir könnten ja noch einmal fliegen, wenn wir denn wollten. Ohne lange zu überlegen gab es ein einvernehmliches "Ja" und wir fuhren wieder hoch zum Startplatz und dann die ganze Prozedur noch einmal. Endlich wieder in der Luft, waren wir dann vom Wind begünstigt und flogen und flogen und flogen. Über die Stadt an den Bergen entlang und sogar hinaus bis aufs Meer. Mit einigen Kreisen die wir zum Schluss im Sinkflug  ziemlich schnell gedreht haben, kamen wir am Strand an. Genial sag ich euch. Irgendwie war der Flug trotz "nichtstun" so anstrengend, das wir den Rest des Tages am Strand verbrachten.




Schließlich mussten wir auch fit sein, weil wir am nächsten Tag als tatkräftige Helfer bei einem Essen für 300 Obdachlose helfen wollten. Neben zahlreichen Helfern erschien auch der Bischof. Die Menschen hier in Iquique sind vernarrt in ihn. Einen Bischof der den Menschen hier so nah ist, gab es noch nie. Bei jeglichen Veranstantaltungen für die jenigen die am Rande der Gesellschaft leben, hat er Zeit und spricht mit den Menschen vor Ort. Nicht nur 5 Minuten, nein, so lang wie es eben nötig ist. Auch ich bewundere diesen Mann. Einfach Wahnsinn.
Es kamen zwar nicht alle erwarteten 300, und doch waren es 200 die erst einmal versorgt werden wollten. Der Zusammenschluss mehrere Gemeinden und somit vieler Helfer machte es möglich das es ein umfassendes Angebot gab. Nicht nur die warme Mahlzeit (Hähnchenkeule, Reis, Kartoffelsalat und Nachtisch) sondern auch das wechseln der Kleidung und die Möglichkeit sich die Haare schneiden zu lassen waren organisiert worden. Essen und Getränke wollten verteilt werden, der Nachtisch musste vorbereitet und verpackt werden, sodass auch jeder noch etwas mit auf den Weg bekam, die Teller wieder abgeräumt und gewaschen werden und und und .. es gab reichlich zu tun und dementsprechend KO fielen wir Sonntagabend alle ins Bett.
Zahlreiche Obdachlose erschienen und verbachten mehere Stunden
gut gelaunt miteinander. Unter Ihnen ..
Der Bischof immer im Gespräch mit einigen Obdachlosen

Tja und als hätte ich es nicht gewusst, war ich Montag totkrank. Eine Woche Powerarbeiten inklusive Wochenendeplan war zu viel. Mit Fieber und Schüttelfrost lag ich flach. Da half nichts außer abwarten und Tee trinken - was übrigens bei 27°C Außentemperatur nicht so schön ist. Donnerstag ging es dann wieder in den Kindergarten und wir machten einen Ausflug in die Zofri  um dort mit den Kindern - allesamt als Weihnachtsmänner verkleidet - zu singen. Auch bei Bruder Paul zu Hause machten wir Halt, gingen in den Innenhof und sangen dort mit lauter Stimme unsere einstudierten Weihnachtslieder. Danach war ich allerdings so platt - wahrscheinlich immer noch die Nachwirkungen der Erkältung - und fuhr nach Hause statt in die Babykrippe. Nachmittags schaute ich zur Weihnachtsfeier mal kurz vorbei, machte aber aufgrund mangels Kraft in den Beinen wieder auf nach Hause und ging früh schlafen.



Freitag - also gestern - musste dann auch niemand arbeiten, denn die Fundación hatte geschlossen weil eine Weihnachtsfeier für alle Mitarbeiter/innen auf dem Programm stand. Nach dem die kleine Messe abgehalten worden war wurden Geschenke verteilt mit Regeln, wie ich sie nicht kannte. Dazu vielleicht irgendwann mal mehr. Ein ausgiebiges Mittagessen war dann der abschließende Programmpunkt. Danach verspürte jeder auch nurnoch das Bedürfnis schlafen zu gehen. So viel  Essen. Unglaubfassbar.


Und wie ich die Nacht vor Heilig Abend verbracht habe und wie die Weihnachtstage hier verlaufen sind? Dazu wird noch in diesem Jahr ein eigener Blogeintrag folgen. Bis dahin.

Frohe Weihnachten
Lisa

Kommentare:

  1. Hallo Lisa, schön, dass Du Dir wieder die Zeit genommen hast uns von Deinen Erlebnissen zu schreiben. Ein super Bericht.
    Wir wünschen Dir auf diesem Wege einen guten START in das Neue Jahr 2012 und alles erdenklich Liebe und Gute.

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  2. Zum Neuen Jahr

    Ein Jahr erscheint im Meer der Zeit
    als Tropfen von der Ewigkeit,
    jedoch der Mensch legt auf die Waage
    dreihundertfünfund sechzig Tage,
    die er durchlebte, Schritt für Schritt,
    In Freud und Leid, genoss, erlitt.

    Erlebst des Jahres letzte Stunde
    allein du, oder sei's in froher Runde,
    schau erst zurück, dann froh voraus
    und schreite ohne Furcht hinaus
    ins neue Jahr, das Gott geschenkt,
    der unser aller Schicksal lenkt.

    Liebe Lisa, auch wir wünschen Dir für das neue Jahr alles, alles Gute.

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