Sonntag, 13. November 2011

Lisa in Chile - Wochen Nr.12/13

Hallo Liebe Leser,

es hat etwas länger gedauert, bis ich mich wieder zum bloggen aufraffen konnte, denn parallel hierzu, habe ich in den letzten Tagen meinen zweiten offiziellen Rundbrief angefertigt und abgeschickt. Hier also ein Appell an alle: Checkt eure Mails!

Tja, was ist so passiert in letzter Zeit. Wie schon erwähnt, Gabi ist angekommen, ich habe fleißig gearbeitet, meinen chilenischen Personalausweis (endlich) beantragt, eine Woche mit einem kaminroten Auge gekämpft, mir ordentlichst den Pelz verbrannt und zum ersten Mal dieses nervige Spiel, welches meine "Nachbarn" jedes Wochenende öffentlich praktizieren - so etwas ähnliches wie Bingo, hier aber unter dem Namen Lota laufend - gespielt. Auch egal worin der Unterschied liegt, denn bei beiden Spielen werden wartenden Personen mit einer Spielkarte auf der sich Nummern befinden und unendlich vielen Maiskörnern Zahlen an den Kopf geschleudert. Wer dann also 3, 4 oder 5 Zahlen in einer Reihe hat brüllt dann halt irgendwas unverständliches und bekommt n "Preis". Jedes Wochenende fangen die bekloppten übrigens an zu spielen. Am Nachmittag geht das Geschrei los |: "Cuarenta y ocho, treinta y seis, cincoooooo - LOTA? - LOTA! - BUENA LA LOTA" :| .. Bevor es dunkel wird, oder der Typ heiser ist hören die nicht auf. Gut, dass es grade Sommer wird und es immer länger hell bleibt. FAIL!
Die harmlosere Version davon, die dann nur 2 Stunden geht und bei der man nützliche Dinge wie Reis, Mehl, Öl, Tee und ähnliche Dinge gewinnen kann, habe ich dann zusammen letzten Sonntag mit Gabi, Lukas, Daniel und Paul in einer Gemeinde um die Ecke gespielt. Eigentlich hätte man laufen können, aber da Bruder Paul scheinbar wusste das wir richtig abräumen, sind wir mit den Auto gefahren. Zwei mal "Lota" und zwei mal irgendetwas anderes. WAHNSINN wie gut wir waren.

Die Woche vor diesem erfolgreichen Sonntag war größtenteils von der sich immer mehr einschleichenden Routine geprägt. Kindergarten und Babykrippe - aber letzte Woche immer mit Gabi, die ja die Zentren kennenlernen muss. Mittwoch & Freitag also wieder volles Programm gehabt. Donnerstag, den 3.November (nur damit ihr wisst, dass ich von vor 2Wochen rede), war ich mit dann mit Paul&Lukas endlich mal im 'Registro Civil' um meinen chilenischen Personalausweis zu beantragen. Da wir ja unsere Jahresvisum haben, sind bisher noch nicht auf die Idee gekommen uns ein weiteres Dokument zuzulegen. Lustig war's da aber doch schon. Nachdem wir eine "To-do"-Liste bekamen, auf der stand was wir alles brauchen um unser 'Carnet' überhaupt erst einmal beantragen zu können, gingen wir die nötigen Sachen kopieren, ehe es dann ein kurzes Kreuzverhör gab, ein Fahndungsfoto geschossen wurde und man von uns noch nicht im Strafregister vertretenen Bürgern Fingerabdrücke nahm. Der Vormittag ging also dafür drauf. Kindergarten war dann also schonmal nicht. Auch mit der Sala Cuna wurde es an dem tag nichts mehr, denn am Nachmittag war die lang ersehnte Reunión. Wir haben uns alle (das heißt: alle Leiterinnen der Zentren in denen wir aktiv sind und das Büro) in der Oficina getroffen.
In meinem Plan hat sich nichts geändert und alle sind mehr als zufrieden mit der Arbeit die ich leiste. Also kann ich auch weiterhin mächtig viel Zeit mit meinen Rackern im Kindergarten und auch in der Babykrippe verbringen. Nur die Arbeit im Refugio fällt bis nächstes Jahr aus. Aufgrund der Tatsache, dass dort nicht alles rund lief, was das Programm betrifft ist nun die längst fällige Restrukturierung an der Reihe. Also erstmal nix zu tun im Refugio.

Tja am Tag darauf, war halt alles wie immer und irgendwie ja dann auch Wochenende. Bin dann früh schlafen gegangen, weil die Woche wie immer ganz schön geschlaucht hat, trotz der Tatsache, dass es nur zwei Arbeitstage waren.
Samstag ging es dann mit Gabi und Lukas an den Strand. 4Stunden haben wir im warmen Sand gelegen und uns von der Sonne küssen lassen, während zu unseren Füßen die Wellen brachen und eine wunderschöne Geräuschkulisse erzeugten. Ok genug geschwafelt wir waren am Strand, sind dann irgendwann auch in die mordsmächtig hohen Wellen gesprungen auf der Suche nach Genickbrüchen. Wer seine Kräfte nicht richtig einzuschätzen wusste, der ist dem Genickbruch zwar noch entgangen aber hat dafür einige Kollateralschäden davongetragen oder tonnenweise Sand gegessen. Yummi. Ich hab mich für letzteres entschieden, ehe ich dann die Dusche aufgesucht habe und zum Fussball gucken nach Hause ging. Abends dann das böse erwachen. Scheiße, was ist da so rot? Kaminrot war es jetzt nicht, aber doch schon son schönes "Tomatenrot." Ja so ist das, wenn man einfach einschläft am Strand. Nach einem glorreichen Sieg vom besten Verein Deutschlands war dann allerdings jeder Schmerz vergessen und der Samstag trotzdem gelaufen.

Sonntag Morgen musste ich dann 'früh' raus, denn ich war eingeladen auf einem Geburtstag von einem Kind aus der Babykrippe. Geburtstag feiert man hier - egal in welchem Alter - immer mit mindestens 50 Gästen unterschidlichsten Alters. Von 12-15 Uhr hab ich mich dann auf diesem Geburtstag (bei dem die halbe Babykrippe eingeladen war) amüsiert. Danach schnell nach Hause und ab zum "Lota'n" mit den oben genannten Personen. Abends ging es dann wie gewohnt in die Kirche. Diesmal war sogar Daniel mit von der Partie. Es ist einfach nur wunderschön dort zu sitzen und den spanischen Lieder zu lauschen und soweit es die Kenntnisse zulassen auch mitzusingen. Eine Atmosphäre wie Sie besser nicht sein könnte für eine Messe.

"Wer will Schokolade? - Iiiiiiich."
Montag war ich den ganzen Tag im Kindergarten. Krankheitsbedingt fehlen momentan einige der Erzieherinnen - unter anderem auch in meiner Gruppe, - sodass ich gefragt wurde ob ich nicht den ganzen Tag bleiben könne. Gesagt getan. Zwar ist momentan eine Aushilfe da, die vorher in der Sala Cuna gearbeitet hat, aber da die Kids doch ziemlich aktiv sind und ein oder andere Unfälle passieren können wenn man nicht immer mindestens ein Auge auf sie hat bin ich da geblieben.



 An diesem Tag, waren wir mit den Kindern hinter dem Kindergarten auf dem großen Spielplatz und haben dort gespielt. Das Ergebnis seht ihr links. Angefangen hat das ganze damit, das ein Kind ein Foto davon wollte wie es springt. Hinterher wollte dann aber jeder eins und so hab ich mich also in den Sand gekniet und von jedem der wollte eines geschossen. Stellt euch nur mal den Andrang vor, als dann hinterher jeder sich selbst sehen wollte. Heiliger Bimbam. Als ich dann aber sagte das es keine Schokolade gäbe wenn sich nicht sofort ordentlich benommen wird war Ruhe. Bei der Frage wer alles Schokolade will, entstand das obere Bild. Selbst die Tía aus meiner Gruppe war ganz aus dem Häuschen.


Am nächsten Tag das ganze Spielchen umgekehrt. Den ganzen Tag in der Sala Cuna. Weil oben im Kindergarten "Suspension" war, bin ich halt schon Vormittags in die Sala Cuna gefahren. Zwar nicht um 8.30 Uhr wie sonst üblich, sondern erst um 10.00Uhr. Ich durfte also ausschlafen. Ich sollte meine Kräfte wie sich später herausstellte noch brauchen. Es wurde nämlich ein langer Tag. Bis 17.00Uhr war ich mit Claudia in der Babykrippe und hab nach getaner Arbeit Eis verdrückt und Musik gehört, ehe ich dann doch gehen musste. Abends war dann - als Lukas und Gabi beim Tanzen waren - Länderspiel. Das Finale im Hochleistungssport "Canasta" wurde ausgetragen. Chile (Mauricio/Daniel) lieferte sich einen erbitterten Kampf gegen das Team aus Deutschland (Lisa/Bruder Paul). Die Gastgeber gingen zuerst mit 1:0
in Führung mussten dann jedoch den Ausgleich hinnehmen ehe Sie im langen finalen Spiel mit 2:1 gegen Deutschland gewannen. Spannend war's und ich freu mich auf die Revange.



Mittwoch dann ein ganz normaler Arbeitstag aber dafür hatte es der Abend in sich. Während ich mich immernoch über mein Paket aus Deutschland freute und mit Lotte via Skype sprach, kamen auf einmal alle aus Ihren Löchern. Daniel und Mauricio gurkten im Haus herum und dann kamen auch noch 2 Freunde von Ihnen und kurzerhand wurde dann ein Grill angeschleppt, mehrere Kilo Fleisch zurechtgeschnitten, Grünzeug geschnibbelt und als dann das Wort "Pichanga" fiel ergab alles einen Sinn. Wir sollten also festlich speisen. Nach unendlich langen Stunden der Vorbereitung war das Essen dann hergerichtet und es konnte losgehen. Vollgefuttert wie wir waren, war niemand mehr zu etwas in der Lage. Nur Alexis - einer der beiden Gäste - packte dann seine Gitarre aus und schmetterte ein Lied nach dem anderen. Mit einer wahnsinnsstimme hat er uns dann die Lieder um die Ohren gehauen. Ein geselliger Abend bei Pichanga, Musik und viel Stoff zum Lachen. Gelungen sagt man da glaub ich.



-> Man war das ein geiler Abend.
Daniel macht Feuerchen

Pichanga
Fleisch, Kartoffeln und Gemüse




Das ist er :)
Donnerstag war ich dann wieder den ganzen Tag oben im Kindergarten. Diesmal war in der Sala Cuna "Suspension", sodass es für mich also dort nichts zu tun gab. Im Kindergarten hingegen schon. Es fehlt ja immerhin noch eine Tía und außerdem findet man immer "Arbeit". Malen, basteln, spielen oder andere Sachen sind ganz hoch im Kurs und wenn grad halt mal jeder beschäftigt ist mache ich halt wie immer einen Ausflug in die Sala Cuna des Kindergartens zu meinen kleinen. Das dauerte dann wie immer etwas länger. Aber man lässt sein schreindes Kind ja auch nicht einfach zurück. Nein man kümmert sich drum. Ich sehe Ihn halt nicht gerne weinen und wenn er es doch tut, dann setze ich Himmel und Hölle in Bewegung um Ihm ein Lachen auf's gesicht zu zaubern. Meist reicht schon eine Umarmung. Am Nachmittag konnte ich dann nach 8Stunden endlich nach Hause .. ich war platt. Und zwar so platt, dass ich, als ich am nächsten Morgen wach wurde nicht die Kraft hatte aufzustehen.

Bäh!

Zudem plagte mich seit Beginn der Woche mein Auge. Dunkelrot hatte sich das eigentlich Weiße verfärbt. Die Luft hier ist - wie ihr euch denken könnt - ziemlich trocken und staubig und wegen der vielen Sonne die noch dazu immer scheint hat es dann einfach mal gestreikt. Es sah schäbbig aus, tat zwischendurch mal ganz übel weh und hat manchmal komische Flüssigkeiten produziert. War also alles in allem ein beschissener Morgen, sodass ich - nach Absprache - einfach bis mittags im Bett blieb ehe ich dann in die Sala Cuna fuhr. Fit wie ich war, blieb ich direkt bis 17.00Uhr half beim Aufräumen und fuhr dann nach Hause, wo ich dann in die Oficina ging denn am Freitag war "Tag der Sozialarbeiterinnen". Bei Kaffee und Kuchen (und deutscher Schokolade sponsored by Lisa Meier ) haben wir dann einfach gemütlich zusammen gesessen und währenddessen hab ich noch das Spiel der deutschen verfolgt, ehe wir dann alle rüber ins Haus gingen um nach dem Abendessen gemeinsam noch einen schlechten Film zu gucken. Paranormal Activity sollte es sein. Nach der Hälfte des Filmes hab ich mich jedoch verabschiedet und versucht zu schlafen. Klappte nicht aus mir unerklärlichen Gründen war ich die ganze Nacht wach. So ein Mist denn mit Ausschlafen war am Samstag nix. Morgen um 11.30 Uhr ging es nach Alto Hospicio zu Solidaritätstafel. Gemeinsam mit Gabi, Tía Mirza und einem Jugendlichen der scheinbar im Knast war und nun noch Sozialstunden leisten muss haben wir am Samstag 40 Kinder bekocht.  


Als dann auch Gabi und ich satt waren, warteten wir auf Paul und Lukas, denn es ging nach Pica. Nach 2langweiligen Stunden im Auto waren wir endlich da und verbrachten die Zeit bis zum Abendessen damit, aus der Stadt herauszulaufen, die besten Säfte in uns hineinzukippen und einige sinnlose Fotos zu schießen. Sobald ich diese habe, werd ich ein paar hochladen. Pünktlich zum Abendessen waren wir dann wieder daheim und lauschten dem, was Pater Stephan so zu erzählen hatte ehe wir dann mit einer Partie Canasta den Abend abschlossen.
Tja und heute - Sonntag - waren wir dann nach ausgiebigem Frühstück und einem Kirchgang endlich mal wieder in der Cocha. Ihr erinnert euch? Diese schöne Quelle mitten in der Wüste? Nein? Ich schon denn ich war ja heute erst da. Haha! Noch schnell einen Saft gekauft ehe wir uns auf den heimweg machten und wieder nach Iquique fuhren. Dort angekommen gabs dann nurnoch ein Abendessen und nun sitze ich hier und blogge. Da sich dieses bloggen aber schon wieder länger hinzog als mir lieb war, gehe ich mal direkt ins Bett.

Liebe Grüße nach Haus und in die weite Welt
Lisa

Kommentare:

  1. 91 Tage bist Du nun schon da, wie schnell doch die Zeit vergeht. Was Du schon alles erlebt hast, zwischen Deiner Arbeit, super. Es wäre schön, wenn wir hier auch bald Sommer hätten, aber wir können noch immer ganz zufrieden sein mit dem Wetter. So um 0 Grad, aber Sonnenschein.
    Wir wünschen Dir weiterhin alles Gute und freuen uns schon wieder auf Deinen nächsten Bericht, auch wenn dieses bestimmt immer sehr zeitaufwendig ist.

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  2. Sind heute auch in Gedanken bei Dir

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