Samstag, 20. August 2011

Erste Eindrücke und ein bisschen darüber hinaus

Hallöchen alle miteinander.
Ich will mich mal wieder melden, damit ihr euch alle noch sicher sein könnt, dass ich noch lebe.
Nachdem Lukas und ich fast den kompletten ersten tag hier in Iquique im Bett verbracht haben und auch der zweite MaZler Iquique verlassen musste, sind wir so langsam in den Alltag eingestiegen. Letzten Montag ging es damit los, dass ich mir von Jutta - einer netten Dame aus Österreich - die Stadt, den Strand und den Hafen zeigen ließ. Wahnsinnig viele Eindrücke die da auf einen einprasseln. Von Krokodilen und Lamas am Strand, über Seelöwen am Hafen und ganz vielen kleinen Ständen von Händlern hat diese Stadt einiges zu bieten. Immernoch erschöpft von der Reise unterzog ich mich dem dreistündigen Fußmarsch - ich sollte ihn nicht bereuen. Wie gesagt eingekesselt von den Bergen hinter und dem Meer vor mir spazierten wir am Strand entlang und schauten dem Sonnenuntergang zu.


Abends fiel ich dann auch sofort totmüde ins Bett - vollkommen unspektakulär. Am Tag darauf zeigte ich Lukas genau die selbe Strecke der ja den Tag zuvor verschlafen hatte. Diesmal aber im Schnellverfahren, sodass wir nach einer Stunde wieder pünktlich zum Mittagessen zu Hause waren.
Das Meer von seiner schönstes Seite ;-)
Dann ein Mittagsschläfchen. Irgendwie haben wir beide noch keinen wirklichen Rhythmus gefunden was aber ganz normal ist. Nachmittags um 15 Uhr (daraus wurde dann 16.30 Uhr) sind wir rüber in die Oficina weil dort ein Treffen aller Leiter der Zentren war. Lukas und ich stellten uns vor und auch alle „Tias“ taten es. Danach sind wir mal in die andere Richtung – also in Richtung Berge – gegangen. Von dort hatte man einen Ausblick über die gesamte Stadt. Mit reichlich Verspätung (die zum Alltag gehört, und an die Lukas und ich uns erst noch gewöhnen müssen) ging es Abends los noch einmal los zu einer Aktion, wo Jugendlich einer Gemeinde sich um Obdachlose kümmerten.80 Obdachlose bekamen bei dieser Aktion ein Bett, eine Dusche und eine Mahlzeit – allerdings nur für die Zeit des Winters. Durchgefroren ging es dann 2 Stunden später nach Hause. Nach einer Runde Canasta ging ich dann schlafen.Eigentlich wollte ich ja noch n Hörbuch anfangen aber ne .. 2 Minuten hab ich mitbekommen dann war Schluss.Garnicht mal so schlimm. Am nächsten Tag ging es ziemlich früh los. Wie immer startete der Tag mit einer kalten Dusche ehe es dann nach dem Frühstück mit Juan, Lukas und 3 Praktikantinnen los ging, um die einzelnen Zentren zu besichtigen. Babykrippe, Kindergarten, Mädchen- und Jugenheim. Nur das Zentrum hoch oben in den bergen von Alto Hospicio bekamen wir nicht zu sehen. Für uns auch nicht wirklich relevant, weil dort eher auf psychologischer Basis gearbeitet wird. Gegen Abend wurden wir abgeholt, um bei einer weiteren Aktion für Ondachlose teilzunehmen. Es sollten Sandwiches und warme Getränke verteilt werden. Als wir dann erst einmal verköstigt wurden, dachten wir wir seien im falschen Film. Schließlich ging es dann aber doch los udn wir gingen zu einem Platz, wo sich die naja sagen wir mal "freiwilligen Streetworker" jeden Woche zur selben Zeit trafen um mit den Obdachlosen zu sprechen.Es war eine tolle Erfahrung, so traurig sie auch war. Nicht nur alte Männer und Frauen kamen, sondern auch Jugendliche. Jugendliche, die Drogenabhängig waren oder keine Familie mehr hatten. Eine Stunde dauerte das ganze, ehe dann die Sachen wieder eingepackt und mitgenommen wurden. Ich war wahnsinnig begeistert und bin es auch jetzt, weil es so ein Angebot hier gibt. Leider noch viel zu selten. Das Ziel ist es, so viele freiwillige anzuwerben, dass eine 1 zu 1 Betreuung der Obdachlosen möglich ist. Eine wahnsinnsidee die nur umgesetzt werden muss. Schade das ich mich nicht vier-teilen kann. Hier gibt es so viel wo man anpacken könnte. 
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen - Vierter Tag.
An diesem Tag waren wir lediglich auf dem Hauptplatz von Iquique, wo die Fundación sich und ihre Arbeit präsentierte. Zur Zeit ist hier nämlich die so genannte "Semana de la Solidaridat." Den ganzen Vormittag verteilten wir Infozettel zur Arbeit der Fundación. Neben uns präsentierten noch circa 10 andere Organisationen ihr Programm. Von Kinderbetreuung bis hin zur Pflege alter oder obdachloser Menschen. Grade als das ganze vorbei war, bekamen wir dann was von den Studentenprotesten - die ja hier im ganzen Land stattfinden - mit. Über hundert junge Leute versammelten sich und demonstrierten. Wir sind dann aber doch ganz schnell gefahren trotz einer eigentlich friedlichen Demo. Haha wie paradox.

Der Rest des Tages verlief dann so, dass wir mit Juan hoch nach Alto Hospicio gefahren sind, um von dem Örtchen auch mal etwas zu sehen. 20 Minuten Fahrt hoch in die Berge und das nur um dort zu tanken. Wir haben also das angenehme mit dme nützlichen verbunden.
Grade oben angekommen rief jemand aus der Fundación an, der auch hoch musste. Also sind wir wieder runter, hoch und nach einer Stunde wieder runter gefahren.
Irgendwo da im Nebel liegt Iquique

Wären da nicht dieser Nebel der einen nicht einmal den Himmel vom Meer unterscheiden ließ und massig Sand gewesen, dann hätten wir bestimmt auch ein bisschen mehr von Iquique sehen können. (Bisschen viel Konjunktiv nicht wahr?)

Abends waren wir dann - ebenfalls anlässlich der "Semana de la Solidaridat" in einer Kirche, in  der die Messe vom Bischof zelebriert wurde. So langsam gewöhne ich mich wirklich an die Dynamik in einem solchen Gottesdienst. Danach (ganze 90 Minuten später - was hier vollkommen normal ist)
fand ncoh ein kleiner Umzug zur einzigen Brücke Iquiques statt. Dort trommelten die Jungs der Fundación - genauer aus dem Refugio - für den Rest des Umzuges. Die rund 150 Gläubigen - alle mit einer Kerze bewaffnet - folgten dem Takt der Musik. Später am Abend ging es dann heimwärts und schnurstracks ins Bett, weil es am nächsten morgen eigentlich ins Schwimmbad gehen sollte. Pustekuchen. Aufgrund fehlender Badekappen wurde daraus dann ein Spazierganz zum Hafen wo wir uns in die Sonne pflanzten, den Marabus und Seelöwen beim extremchillen zuguckten und einfach mal entspannten. In der Sonne ließ es sich echt aushalten.

Nach einem guten Mittagessen mussten wir rüber in die Fundación, um unsere Arbeitspläne durchzusprechen. Ab Montag werde ich eine Woche lang Vormittags in der Babykrippe arbeiten und in der zweiten Woche im Kindergarten. In beiden Wochen werde ich Nachmittags abwechseln im Mädchen- und Jungenheim arbeiten. Mal schauen wie das wird - aber ich freu mich schon total. Am Abend waren wir dann bei unserer Mentorin Nicole und ihrer Familie zum Essen eingeladen. Es gab Complettos - ein geiles Zeug sag ich euch. Man könnte ihn als den chilenischen Hot Dog bezeichnen. Vollgefuttert bis oben hin gingen wir dann abends noch mit den ganzen Tias aus der Babykrippe in ein Lokal, um unsere Ankunft gebührend zu feiern.
Wahnsinn wie freundlich die alle sind. Es war ein lustiger feucht fröhlicher Abend wie er für ein erstes Treffen nicht besser hätte laufen können.
Den Samstag verbrachten wir eigentlich mit nichts tun. Jeder von uns hat seinen Blog gefüttert, Rundmails geschrieben und Fotos archiviert. Grade eben waren wir noch zusammen mit Nicole und ihrer Familie auf einem Fest, welches zu ehren des Hl. Lorenzo stattfindet. Der Legende nach starb dieser den Märthyrertod auf dem Grill. Überall stand die einheimische Bevölkerung auf der Straße. Es wurde gegrillt, es gab Süßigkeiten und jede Menge sehenswertes. Das Highlight dieses Festes, sind die traditionell religiösen Tänze vieler verschiedener Gruppen - Zigeuner, Chilenen und auch indigene Völker. Total genial wenn man sieht wie sie prächtig geschmückt im Takt der Musik vollkommen synchron tanzen.

Viele liebe Grüße von der - noch mitten im Winter steckeneden - Südhalbkugel.
Eure Lisa




Kommentare:

  1. Super tolle Bilder. Ich warte schon wieder sehnsüchtig auf Deinen nächsten Bericht. Es gibt viel zu tun, packe es an, aber übernehme Dich nicht.
    Weiterhin wünsche ich Dir und den ANDEREN alles Gute.

    AntwortenLöschen
  2. Ich freue mich immer wieder auf neue Einträge von dir :D
    Und ich habe letztens richtig interessante Fotos gefunden, die muss ich dir mal schicken zur "Gedächtnisauffrischung" und ein paar schönen Momenten aus Deutschelande (;
    Viel Spaß dir/euch weiterhin (:

    AntwortenLöschen